Antworten auf die Argumente der Gegner
Am 8. Juni 2009 hat die Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA)
und ihr Bündnis "Keine neue Kampfflugzeuge" die
Volksinitiative "Gegen neue Kampfflugzeuge" mit 107'828
beglaubigten Unterschriften bei der Bundeskanzlei
eingereicht.
Wir haben die Argumente der Gegner gesammelt, sie sind
unsachlich und bedürfen der Richtigstellung.
|
|
|
Argument der Gegner: "Jeder Flugzeugtyp, der noch im
Rennen ist, hat eine ausgeprägte Fähigkeit für den
Luft-Boden-Kampf. Das zeigt, dass es dem Bund besonders
darum geht, NATO-Kompatibel zu sein, um an gemeinsamen
kriegerischen Einsätzen teilnehmen zu können."
Diese Meinung ist nicht richtig: Alle 3 Kandidaten sind
primär für den Luftkampf konzipiert. Nur mit
zusätzlicher Ausrüstung und Bewaffnung und mit
Zusatz-Ausbildung der Piloten können sie auch für die
taktische Unterstützung der Bodentruppen eingesetzt
werden. NATO-kompatibel sind heute fast alle
Kampfflugzeuge – wenn man dies nicht wollte, müsste man
sie umrüsten!
|
|
|
Argument der Gegner: "Die Armee übt doch
hauptsächlich die Raumsicherung. Dafür braucht man keine
Flugzeuge. Da tun es Flugabwehrraketen auch.
Das ist falsch: Aufgabe der Armee
ist der Schutz von Land und Volk. Die Bodentruppen
brauchen in der Bewegung und im Einsatz selber Schutz
vor Bedrohung aus der Luft. Auftrag der Luftwaffe ist
dabei das Erringen und die Behauptung der
Luftüberlegenheit über dem Einsatzgebiet der eigenen
Truppen. Zudem kann nur aus Flugzeugen die Gefährdung
einwandfrei beurteilt werden. Flugabwehrraketen treffen
und zerstören, eventuell auch nicht bedrohliche fremde
Flugzeuge.
|
|
|
Argument der Gegner: „Statt Kampfflugzeuge
reichen auch ein paar Flabkanonen.“
Das ist eine irrige Ansicht: Die
Luftwaffe hat nicht nur den Auftrag, im Kriegsfall den
Luftraum zu verteidigen, sondern auch in Friedenszeit
den Luftpolizeidienst sicher zu stellen – dies mit
verhältnismässigen Mitteln. Mit Fliegerabwehr-Kanonen
können unbekannte Flugobjekt nicht identifiziert werden.
Zwar könnte man sie mit Kanonen abschiessen, das jedoch
auch nur im unteren Luftraum bis gegen 4000 Meter über
Meer. Zudem ist die Trefferwahrscheinlichkeit nicht 100
%, viele Geschosse würden das Ziel nicht treffen und
beim Runterfallen die Zivilbevölkerung gefährden.
|
|
|
Argument der Gegner: "Atomkraftwerke muss man
nicht schützen. Man muss sie im Krisenfall einfach
abstellen, die Brennstäbe entfernen und damit hat es
sich."
Das ist eine unsinnige Aussage: Zum
Abstellen würde die im Krisenfall zur Verfügung stehende
Zeit nicht ausreichen. Zudem werden Kampfflugzeuge nicht
nur wegen der Kernkraftwerke eingesetzt, sondern für den
Schutz der gesamte Infrastruktur mit der sehr grossen
Zahl verwundbarer ziviler Einrichtungen unseres Landes.
|
|
|
Argument der Gegner: "Die Beschaffung von neuen
Flugzeugen ist vor allem eine Prestigesache der
Luftwaffe. Selbst hohe Heeresoffiziere finden, die
Beschaffung sei total unnötig."
Das ist nicht richtig: Die Armee
braucht die Kampfflugzeuge, um ihren Verfassungsauftrag
zu erfüllen und Land und Bevölkerung wirkungsvoll zu
schützen. Es sind keine Aussagen von Offizieren wie
zitiert bekannt - Die nicht namentlich genannten hohen
Heeresoffiziere würden sicher rechtzeitig öffentlich zu
ihren Aussagen stehen.
|
|
|
Argument der Gegner: "Während ich Unterschriften
gesammelt habe, hatte ich auch viel mit bürgerlich
eingestellten Leuten zu tun. Die haben ohne zögern
unterschrieben."
Das ist wohl möglich: Unter den
Bürgerlichen gibt es auch solche, die nicht wissen, was
GSoA heisst und welches Ziel sie verfolgt. Auch
Bürgerliche können über militärische Notwendigkeiten
ungenügend informiert sein.
|
|
|
Argument der Gegner: "Meinen Unterschriftenbogen
hat sogar ein Luftwaffenoffizier unterschrieben. Das
sagt doch schon alles."
Die Aussage sagt eben gar nichts:
Wir haben in der Schweiz Meinungsfreiheit und
schliesslich entscheidet die Mehrheit der teilnehmenden
Stimmbürger.
|
|
|
Argument der Gegner: "Unsere F/A-18 Flotte reicht
allemal aus, Aufträge des Luftpolizeidienstes zu
erfüllen."
Das ist eine Halb-Wahrheit: Und was,
wenn mit Luftpolizeidienst allein die Sicherheit im
Schweizer Luftraum nicht mehr gewährleistet werden kann?
Bereits in Krisensituationen, die länger dauern als
einige Wochen, reichen 33 FA-18 nicht mehr aus, um rund
um die Uhr den Luftpolizeidienst zu erfüllen,
Luftraumverletzungen zu verhindern, die Benützer des
Luftraumes zu schützen und die Bevölkerung vor
Bedrohungen aus der Luft zu bewahren.
|
|
|
Argument der Gegner: "Wir haben europaweit –
gemessen an unserer Fläche – die höchste Dichte an
Kampffliegern."
Diese Aussage ist falsch: Als
vergleichbare Beispiele haben folgende europäische
Klein-Staaten mehr Kampfflugzeuge als die Schweiz:
Belgien (92 Typ F-16 / 3 pro 1000km2), Holland (117 Typ
F-16 / 3 pro 1000km2), Dänemark (63 Typ F-16 / 1.5 pro
1000km2). Die F-16 sind allwettertauglich. Im realen
Vergleich dazu hat die Schweiz 33 Kampfflugzeuge FA-18 /
0.8 pro 1000km2, plus momentan noch 56 Kampfflugzeuge
F-5 Tiger, die nicht allwettertauglich und ab 2012 am
Ende ihrer Lebensdauer sind. Kampfflugzeuge schützen
aber nicht nur km2 sondern vor allem Menschen. Die
Schweiz verfügt mit den 33 FA-18 über nur 4,4
Kampfflugzeuge pro eine Million Einwohner, Schweden über
22.8. Die anderen europäischen Staaten liegen mit 7 bis
12 Flugzeugen pro Mio Einwohner dazwischen. Je kleiner
das Land, desto kürzer müssen die Reaktionszeiten auf
Bedrohungen sein. Dazu braucht es eine hohe
Einsatzbereitschaft und damit eine grössere Anzahl von
Flugzeugen.
|
|
|
Argument der Gegner: „Wir brauchen keine
Kriegsflugzeuge! Wir sind nur von Freunden umgeben und
selbst wenn wir angegriffen würden, hätten wir keine
Chance.“
Das ist falsch: Niemand von uns kann
die Zukunft voraus sehen und die Geschichte hat gezeigt,
dass es nicht nur Phasen des Friedens, sondern auch die
des Konfliktes gibt. So könnten z.B. die Klimaerwärmung
(Wasserknappheit, Klimaflüchtlinge usw.) oder anderes
noch nicht Vorhersehbares auch die Sicherheit Europas
und der Schweiz innert kurzer Zeit negativ verändern.
Mit dem neuen Kampfflugzeug, zusammen mit der
bestehenden FA-18 Flotte sowie wenigen
Militärflugplätzen mit geschützter Infrastruktur kann
die Schweiz viel flexibler, wenn notwendig aus dem
Stand, auf Ereignisse reagieren. Es ist wie eine
Versicherung; man hofft, sie nie beanspruchen zu müssen
und trotzdem möchte man nicht darauf verzichten.
|
|
|
Argument der Gegner: „Die Schweiz ist viel zu
klein für Kampfflugzeuge, Kampfhelikopter oder
Propellerflugzeugen sind dafür viel besser geeignet.“
DDas ist falsch: Um unbekannte
fliegende Objekte im ganzen dreidimensionalen Luftraum,
das heisst bis gegen 15‘000 Meter über Meer zu
kontrollieren, zu identifizieren und auch intervenieren
zu können, braucht es Allwetter-taugliche Flugzeuge mit
hohen Flugleistungen. Gerade in einem kleinen Land sind
sehr hohe Steigleistungen und Spitzengeschwindigkeiten
unabdingbar um rechtzeitig reagieren zu können.
Kampfhelikopter und Propellerflugzeuge erfüllen diese
Voraussetzungen nicht. Zudem sind Kampfhelikopter nicht
für die Bekämpfung von Luftzielen konzipiert, sondern
für die Bekämpfung von Zielen am Boden vorgesehen.
|
|
|
Argument der Gegner: "Friedenspolitisch ist die
Beschaffung ein Witz. Man hat es ja am Beispiel vom 11.
September gesehen, dass eine Luftwaffe nichts taugt."/em>
Das ist falsch: Am 11. September
2001 (und vorher) wurde die Bedrohungslage der USA
politisch eindeutig falsch beurteilt. Die Luftwaffe
hätte die Ereignisse verhindern können.
|
|
|
Argument der Gegner: "Man würde das Geld gescheiter
in die Ausrüstung unserer Milizsoldaten stecken. Ich war
ja auch schon auf Truppenbesuchen und war echt
schockiert, was ich da gesehen habe."
Diese Aussage ist
falsch: Unsere Truppe sind modern und
einsatztauglich ausgerüstet. Dies wird immer wieder von
ausländischen Beobachtern attestiert. Die
bestausgerüsteten Bodentruppen können ohne Luftschirm
nur beschränkt und mit wesentlich erhöhtem Risiko
eingesetzt werden.
|
|
|
Argument der Gegner: "Der Bund lügt! Diese Flugzeuge
kosten niemals “nur“ zwei Milliarden Franken sondern
mindestens fünf Milliarden."
Das ist eine
unstatthafte Behauptung: Der Bund hat für diese
Beschaffung nicht eine definitive Anzahl Flugzeuge,
sondern einen Kostenrahmen vorgegeben.
|
|
|
Argument der Gegner: "Das mit den Gegengeschäften
kannst man einfach vergessen. Davon profitiert nur ein
ganz winziger Teil der schweizerischen Wirtschaft."
Das ist eine
unqualifizierte Behauptung: Beispiele der
Rüstungsbeschaffung in der Vergangenheit (nicht nur des
FA-18) beweisen das Gegenteil. Die Gegengeschäfte
überstiegen teilweise den Kaufwert und hatten durch
Folgeaufträge und Knowhow Transfer nachhaltige
Auswirkungen auf die Schweiz.
|
|
|
Argument der Gegner: "Dass die Evaluationsberichte
nicht öffentlich sind, ist ziemlich merkwürdig. Was will
man verbergen?"
Die
Beschaffungsstellen wollen nichts verbergen:
Sie halten sich an die vertraglichen Vereinbarungen mit
den drei Anbietern, die geheime Entwicklungs- und
Produktions-Daten der Hersteller-Firmen schützen. Sieben
nationale Volksvertreter in der Subkommission TTE der
Sicherheitskommission des Nationalrates üben eine
politische Aufsicht über die Evaluation aus.
|
|
|
Argument der Gegner: „Eine zusätzliche
Lärmbelastung für die Jet-Flugplätzen ist unzumutbar,
weil das neue Flugzeug viel lauter sein wird als der
Tiger!“
Diese Meinung muss richtig gestellt werden:
Insgesamt wird es keine Mehrbelastung durch Lärm geben,
unter anderem weil die Gesamtzahl der Kampfflugzeuge um
rund ein Drittel abnehmen wird. Mit dem neuen
Stationierungskonzept der Luftwaffe wird die Belastung
der Bewohner der Schweiz auf ein erträgliches Mass
reduziert.
|
|
|
Argument der Gegner: "Also ich als Bundesrat würde
mich eher für eine Atomwaffenfreie Welt einsetzen. Wozu
brauchen wir solche Flieger, wenn immer noch riesige
Arsenale an Atombomben vorhanden sind?"
Das entspricht nicht
den Tatsachen: Der Bundesrat unterstützt die
Bestrebungen nach einer atomwaffenfreien Welt, unter
anderem mit dem Einsatz von Armee-Einheiten und der
Luftwaffe zum Schutze von internationalen Konferenzen in
der Schweiz.
|
|
|
Argument der Gegner: "Terror kommt nicht aus der
Luft, das ist Schwachsinn. Deshalb zieht auch das
Argument nicht, man könne mit den Fliegern Anschläge
verhindern."
Das ist falsch: Gerade in der
unmittelbaren Vergangenheit wurden schwere
Terroranschläge aus der Luft ausgeführt. Ein Land muss
seine Staatsgrenze zu Wasser, zu Land und in der Luft
schützen. Grösste offene Grenze ist der Luftraum – die
„blaue Grenze“. Schutz ist auch, dafür zu sorgen, dass
unsere Eingangstore nicht zu Einfallstoren werden.
|
|
|
Argument der Gegner: "Man redet immer nur von den
Beschaffungskosten. Niemand redet aber vom Unterhalt.
Der kostet uns ein Vermögen."
Das ist nicht richtig: Alle Kosten
der Armee sind im jährlichen Gesamthaushalt des Bundes
enthalten und durch verschiedene Kommissionen prüfbar.
Der Gesamthaushalt erfährt durch die neuen
Kampfflugzeuge keine Veränderung.
|
|
|
Argument der Gegner: "Die Korruption ist schon
voll im Gange. Bereits wurden Millionen von Franken in
der Schweiz verteilt."
Das ist nicht belegt: Wenn dies so
wäre, so müssten die Armeegegner zuhanden der Polizei-
und Justizbehörden Anzeige einreichen.
|
|
|
Argument der Gegner: "Die Armeeführung steht ja
nicht einmal hinter der Beschaffung."
Das ist falsch: Unter Führung von
Verteidigungsminister Ueli Maurer setzen sich alle
Verantwortlichen klar und deutlich für die Beschaffung
ein.
|
|
|
Hinweis an User:
Sollten Sie ein zusätzliches Argument der Gegner
kennen und hier vermissen, so geben Sie uns dieses bitte
bekannt. Sollten Sie auch die richtige
Gegenargumentation kennen, umso besser. Danke.
|