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Interview mit Hans-Ulrich Helfer (Präsident)
und Erich Grätzer (Vizepräsident)
Bürger engagieren sich für neue Kampfflugzeuge
Nach längerer Vorbereitung haben Hans-Ulrich Helfer und Erich Grätzer die Informationsgruppe PRO-Kampfflugzeuge gegründet.
Dabei verstehen sie sich als Initiatoren und Animatoren für einen bürgernahen Abstimmungskampf PRO neue Kampfflugzeuge gegen die Armeegegner und radikalen Armeeabschaffer.
Im Zentrum der Argumentation stehen deutlich die Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung aller Bewohner der Schweiz.
Das Interview führte Dominik Kamber, Herausgeber der Fachzeitschrift Sicherheitspolitik
1. Die Schweiz muss neue
Kampfflugzeuge im Gegenwert von mehr als zwei Milliarden
Franken beschaffen. In Zeiten leerer Staatskassen und
eines fehlenden Feindes ist der Kauf solcher
Waffensysteme doch völlig übertrieben, wenn nicht gar
unnötig.
Die Schweiz muss tatsächlich und dringend die veralteten
Tiger-Kampfflugzeuge
ersetzen, um dem Verfassungsauftrag „Wahrung
der Lufthoheit“
nach zu kommen. Die Staatskassen sind keineswegs leer.
Zudem ist diese Investition in die Sicherheit sehr
langfristig – auf die Lebensdauer von 30 Jahren
verteilt, macht sie pro Flugzeug und Jahr ca. CHF 2.75
Millionen aus. Ein Nichtvorhandensein einer
Bedrohung über eine Dauer von mehr als 10 Jahren voraus
zu sagen, ist spekulativ und weil es um die Sicherheit
von Menschen geht, in hohem Masse unseriös.
2. Warum eine Informationsgruppe pro-Kampfflugzeuge? Die Beschaffung
eines neuen Systems ist doch beschlossene Sache.
Die Informationsgruppe
PRO-Kampfflugzeuge informiert objektiv und sachlich über
die Notwendigkeit des raschen Ersatzes der veralteten
Tiger-Kampfflugzeuge. Wir entkräften Argumente der
Gegner und bieten Interessierten Informationen und
Antworten an, die nicht aus der Luft gegriffen sind.
Zudem leben wir in einer Demokratie. Jede
Beschaffung ist erst dann beschlossene Sache, wenn das
Schweizer Volk dazu ja gesagt hat oder keinen Einspruch
zu einem Beschluss der Regierung einlegt.
3. Ein terroristischer Angriff aus dem Schweizer Luftraum ist doch
denkbar unwahrscheinlich. Was ist Ihre Meinung hierzu?
Ein Angreifer aus der Luft
kommt aus einem fremden Luftraum,
sein Eindringen in den Schweizer Luftraum und
seinen Angriff müssen wir verhindern.
In der heutigen Zeit ist genügend bewiesen, dass
nur wenig vorhersehbar ist (siehe 9/11, siehe die
aktuelle Wirtschaftskrise, usw.).
4. Weshalb ist die Lufthoheit für einen Staat derart wichtig?
Wir können nur von der
Schweiz sprechen. Wir haben Eintrittstore zu Wasser, zu
Land und aus der Luft. Die Schweiz als Binnenland hat
die grösste und weit offene Eingangstüre im Luftraum.
Wir haben dafür
zu sorgen, dass unsere Eintrittstore nicht zu
Einfallstoren werden. Internationales Recht und
internationale Abkommen verpflichten uns, den
Luftverkehr über unserem Land geordnet und sicher zu
ermöglichen.
5. Immer wieder wird die Sicherung von Anlässen, zum Beispiel dem WEF,
ins Feld geführt. Das klingt etwa so, wie das Sprichwort
mit Kanonen auf Spatzen schiessen. Wäre deshalb eine
Investition dieses Umfangs in die Ausrüstung und
Ausbildung der Bodentruppen nicht sinnvoller?
Alle internationalen
Grossanlässe, auch Sportanlässe, müssen heute am Boden
und in der Luft geschützt werden, sogar europäische
Sportanlässe. Polizei und Bodentruppen genügen nicht, es
braucht auch die Luftwaffe. Bei uns erfolgen Überwachung
und Schutz des Luftraumes immer situations- und
stufengerecht. Er werden Drohnen, Helikopter,
Flächenflugzeugen wie PC-7 und eben Kampfflugzeuge
eingesetzt – jedoch nur die Kampfflugzeuge sind
bewaffnet und damit in der Lage, die nötigen Massnahmen
auch durchzusetzen.
6. Sie sagen, man müsse die Bevölkerung vor Bedrohungen aus der Luft
schützen. Welche Bedrohungen meinen sie konkret?
Jede Bedrohung, die unserem
Land und unserer Bevölkerung Schaden zufügen könnte.
Solche, die bekannt sind und solche, die noch nicht
konkret benannt werden können. Sicherheit kann heute nur
produzieren, wer bereit ist, bekannte, zu erwartende
Bedrohung abzuwehren und zudem das unmöglich scheinende
nicht negiert.
7. Der Markt für Rüstungsgüter ist ein Nährboden für Korruption. Warum
sollte das ausgerechnet in der Schweiz anders sein?
Dass dem international so
sein soll, wird immer wieder behauptet, jedoch nur
selten
bewiesen. Die Schweiz ist grundsätzlich
korruptionsresistent und unsere staatlichen
Beschaffungsverfahren sind es auch. Die drei Anbieter
überwachen sich gegenseitig sehr genau. Sie würden bei
der heutigen Informationstransparenz jegliche Korruption
sofort bemerken und bekannt machen.
8. In der jüngsten Geschichte setzte die Schweiz, mit Ausnahme der
Mirage, auf US-amerikanische Produkte der
Militäraviatik. Da müsste man doch sagen: Schuster bleib
bei deinem Leisten, zumal die drei momentanen Anbieter
eher durch Negativschlagzeilen aufgefallen sind.
Stichwort Bestechungsgelder, technische Schwierigkeiten
etc.
Die Grundbehauptung ist
falsch. Die Schweiz setzte immer auf die für unser Land
bestmöglichen Anbieter. In letzter Zeit auf europäische
und Schweizer Produkte (Helikopter, Drohnen,
Trainingsflugzeuge). Uns
sind keine generellen Negativschlagzeilen über alle
Anbieter bekannt. Solche Behauptungen werden regelmässig
und bei jeder staatlichen Beschaffung geäussert und
ebenso regelmässig wiederlegt.
9. Die Luftverkehrswege über die Schweiz werden doch primär zivil
genutzt. Also gehört deren Kontrolle auch in zivile und
nicht militärische Hände?
Grundsätzlich sind die
bestmöglichen Abwehrmittel wichtig und nicht die Hände,
die sie bedienen. Die Kontrolle und Überwachung wird in
Friedenszeiten primär durch zivile Instanzen
sichergestellt, das Militär unterstützt mit den
bestgeeigneten Mitteln, wo nötig auch mit
Kampfflugzeugen. Als erstes Land in Europa hat die
Schweiz die zivile und die militärische
Luftraum-Überwachung und Luftverkehrs-Leitung
zusammengelegt. Die beiden Partner – Skyguide und
Luftwaffe – bringen dazu ihre Mittel ein.
10. Die Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA) hat eine Initiative zum
Beschaffungsstopp neuer Kampfflugzeuge eingereicht. Was
würde eine Annahme der Initiative für die Sicherheit der
Schweiz bedeuten?
Die Annahme der Initiative
der radikalen Armeeabschaffer
würde bedeuten,
dass die Schweiz und ihre Bevölkerung in den kommenden
rund zwanzig Jahren ohne nachhaltigen Schutz der
offensten Grenze und ohne Schutz gegen die
wahrscheinlichsten Bedrohungen dastehen würden. Zudem
könnte der Verfassungsauftrag nicht mehr erfüllt werden.
11. Ob Rafale, Eurofighter oder
Gripen: Milliardenteure Spielzeuge für eine Handvoll
Piloten der Luftwaffe. Was aber hat die Bevölkerung
davon?
Kampfflugzeuge sind keine Spielzeuge! Der Einsatz dieses
Waffensystems ist auch für körperlich topfite Piloten
harte Knochenarbeit. Unsere Militär-Piloten sind
hochprofessionell und geniessen internationale
Anerkennung. Die
Piloten der Luftwaffe erfüllen mit ihren
Militärflugzeugen einen Verfassungsauftrag und schützen
damit wirkungsvoll unsere Bevölkerung und unser Land.
12. Die russische
Flugzeugindustrie ist bekannt für robuste und
zuverlässige Produkte. Weshalb hat man sie nicht zu
einer Offerte eingeladen?
Russische Militärflugzeuge benutzen völlig andere
Systeme und sind äusserst Verbrauchs- und
Wartungs-intensiv. Sie wären zu unseren Systemen und
Einsatzverfahren am Boden und in der Luft nicht
kompatibel. Ihr Einsatz würde darum zu viel höheren
Kosten führen.
13. Alle drei Systeme stammen aus
Europa. Will die Schweiz damit auch auf militärischem
Gebiet der EU näher kommen?
Die EU hat kein Militär und keine Luftwaffe. Die Schweiz
kann ihr also auf diesem Gebiet auch nicht näher kommen.
14. Der französische Hersteller argumentiert zum Beispiel mit der
Möglichkeit gemeinsamer Trainingsflüge über
französischem Hoheitsgebiet. Damit ginge doch ein
grosses Stück der Schweizer Neutralität verloren, oder?
Nein, die Neutralität der
Schweiz ist anders definiert. Durch solche
Trainingsflüge würden keinerlei Abhängigkeiten in
Konfliktsituationen geschaffen. Zudem bieten alle drei
Hersteller solche Kooperationen an. Die Schweizer
Luftwaffe absolviert seit Jahrzehnten Trainings im
Ausland. Entsprechende Abkommen bestehen mit Italien,
Frankreich, Deutschland, Schweden, den USA. Diese
funktionieren gut und schonen unser kleines, sehr dicht
besiedeltes Land.
15. Wenn man von Sicherung des
Luftraumes spricht, denkt man in erster Linie an
Abfangjäger. Die Systeme der drei Anbieter sind aber
hauptsächlich für den Erd- und Luftkampf ausgelegt. Das
ist doch ein Widerspruch.
Die in der Frage enthaltene Feststellung über die
hauptsächliche Auslegung der angebotenen Systeme ist
fachlich inkorrekt, bzw. falsch. Alle offerierten
Flugzeuge sind primär Abfangjäger, also für den
Luftkampf. Die Schweiz fordert zusätzlich eine
Mehrfachtauglichkeit. Das Evaluationsverfahren prüft die
Erfüllung dieser Ansprüche.
16. Schon bei der Beschaffung der
F/A-18 war die Rede von so genannten Gegengeschäften,
von welchen der Industriestandort Schweiz profitieren
sollte. Wie sehen die konkreten Zahlen im aktuellen Fall
aus?
Bei der F/A 18 Beschaffung war nicht nur die Rede von
Gegengeschäften, sie wurden alle weit über den
vereinbarten Wert hinweg realisiert. Die Schweizer
Wirtschaft profitiert noch heute davon durch
Folgeaufträge. Die Offerten der drei Hersteller
enthalten alle entsprechenden Zusicherungen, in gleicher
Höhe wie der Anschaffungspreis für die Schweiz. Die
Schweiz erzielte im internationalen Vergleich immer
beste Resultate bei Gegengeschäften
(sogenannte Offsets).
17. Die verschiedenen Systeme
entwickeln sich laufend. Wie will man sicher stellen,
dass man hier den Anschluss an wichtige Updates nicht
verpasst?
Bestandteil der Beschaffung bilden sogenannte
Kooperationsverträge auch über die
Systemweiterentwicklung. Die Schweiz ist ein gefragter
Partner und anerkannter Spezialist in kampfwert- und
Lebensdauer erhaltenden und -steigernden Entwicklungen und Massnahmen.
18. Man hat den Eindruck, dass
sich insbesondere die Linke stark gegen die Beschaffung
neuer Flugzeuge engagiert, wohingegen die bürgerliche
Seite eher tatenlos zuschaut. Teilen Sie diese
Auffassung?
Im Moment ja. Es ist zu erwarten, dass die Bürgerlichen
zuerst die tatsächlichen Fakten im
Sicherheitspolitischen Bericht und die Resultate
der Evaluation abwarten, diese korrekt prüfen und dann
nüchtern und sachlich Stellung nehmen.
19. Luftraumverletzungen treten
doch zur Hauptsache in der Sportfliegerei auf. Oder
anders ausgedrückt: Kampfflugzeug gegen Cessna. Wo
bleibt da die Verhältnismässigkeit?
Grundsätzlich sind Ort und Zeitpunkt von
Luftraumverletzungen im Voraus immer unbekannt. In
unserem kleinen Land müssen deshalb die Kampfflugzeuge
oft im letzten Moment und innert Minuten grosse
Distanzen überwinden und grosse Höhen erreichen, um an
die unbekannten fliegenden Objekte heran zu kommen.
Dafür eignen sich nur allwettertaugliche Kampfflugzeuge,
die durch ihre Bewaffnung über ausreichende
Durchsetzungs-Fähigkeit verfügen.
20. Alle drei der offerierten
Systeme fliegen auch in der NATO. Ein weiterer Schritt
der Schweiz in die Nähe einer NATO-Mitgliedschaft?
Keineswegs. Verschiedenen Nato-Staaten setzen wie wir
die F/A 18 ein. Fast alle unsere militärischen Mittel,
auch terrestrische, stammen seit langem
situationsbedingt aus Natostaaten. Wir stellen trotzdem
keine Annäherung an eine Natomitgliedschaft fest.
21. Warum spricht der Bund von Tiger Teilersatz – um im gleichen Atemzug
bei den Argumenten von veralteten und nicht mehr
zweckgerechten Flugzeugen zu sprechen. Warum werden
nicht gleich alle Tiger ersetzt?
Alle Tiger müssen in der
Funktion als Kampfflugzeuge ausser Dienst gestellt
werden. Man spricht von Teilersatz, weil zahlenmässig
nur ein Teil der Tigerflotte ersetzt wird. Durch bessere
Effizienz und den höheren Wirkungsgrad moderner
Kampfflugzeuge brauchte es zahlenmässig weniger
Flugzeuge, um die benötigte Wirkung zu erzielen.
22. Erklären Sie dem Schweizer
Bürger, der Schweizer Bürgerin in einem Satz, weshalb
das Land neue Kampfflugzeuge braucht.
Weil die Tiger-Kampfflugzeuge veraltet sind und weil mit
den 33 FA-18 die Bewohner der Schweiz nicht wirkungsvoll
rund um die Uhr geschützt werden können.
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