Kompensationsgeschäfte / Offsets
Für die Gegner eines Ersatzes der veralteten F-5 Tiger-Kampfflugzeuge sind Gegengeschäfte zur Kompensierung der Beschaffungskosten ein unangenehmes Thema – sie nennen es "Kompensations-Lüge". Wir informieren nachfolgend über die Beteiligungen der Schweizer Industrie an Rüstungsbeschaffungen im Ausland für unsere Armee und über den Nutzen für unsere Volkswirtschaft.
Was sind Kompensationsgeschäfte?
Die armasuisse, das Kompetenzzentrum des Bundes für
Rüstungsbeschaffungen, verlangt von ausländischen
Lieferanten von Rüstungsgütern Gegengeschäfte in der
Schweiz zur Kompensierung von 100% des Vertragswertes.
Kompensationsgeschäfte sind Schweizer
Industriebeteiligungen aller Art im Zusammenhang mit
Rüstungsbeschaffungen im Ausland für unsere Armee. Sie
werden auch als 'Offsetge-schäfte' – kurz: Offsets –
bezeichnet. Durch sie werden unsere Ausgaben für die
Rüstungsbeschaffung aufgewogen. Offsets bewirken einen
hohen volkswirtschaftlichen Nutzen, fördern nachhaltig
die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer
Industrie und tragen zum Erhalt des Industriestandortes
Schweiz und zur Arbeitsplatzsicherung bei.
Direkte Offsets sind Gegengeschäfte, durch die
Schweizer Unternehmen an der Produktion der im Ausland
bestellten militärischen Güter beteiligt sind. Dadurch
werden Kapazitäten und Know-how geschaffen, die einen
möglichst autonomen Unterhalt des Rüstungsgutes
sicher-stellen, deren Werterhaltung und kommende
Modernisierungen ermöglichen und zum Erhalt des für die
Landesverteidigung unerlässlichen industriellen
Potentials beitragen.
Indirekte Offsets sind Gegenleistungen der
ausländischen Anbieter, zivile Industrie-Aufträge an
Schweizer Firmen, Zugang zu Spitzentechnologie,
gemeinsame Entwicklungen verbunden mit
Technologietransfers, Zugang zu neuen Märkten etc..
Davon profitieren auch unsere Hochschulen und deren
Absolventen, mittels Know-how Transfers, aber auch durch
mögliche Praktikumsaustausche.
Kompensationsgeschäfte sind in zwölf Branchen
möglich, darunter Maschinen-, Metall-, Elektronik-,
Uhren- und Fahrzeugindustrie, ferner Luft- und
Raumfahrt, Informatik, sowie Kooperationen mit
Hochschulen und Forschung.
Der Offsetprozess
In der Evaluationsphase einer Rüstungsbeschaffung
werden bei der Offertstellung des ausländischen
Anbieters erste Vorgaben für Offsets eingebracht.
Offsetportfolios werden dann an die im Wettbewerb
stehenden Schweizer Unternehmen weitergegeben und die
armasuisse lässt allfällige sicherheits- und
rüstungspolitische Vorgaben einfliessen.
In der Entscheidungsphase werden der Beschaffungs-
und der Offset-Vertrag vorbereitet und die verschiedenen
Angebote anhand einer Nutzwertanalyse evaluiert. Diese
fliesst in die Gesamtbeurteilung zur Beschaffung mit
ein. Der Umfang der direkten und der indirekten Offsets
wird in dieser Phase fixiert.
Während der Umsetzung erteilt der ausländische
Generalunternehmer Aufträge an Schweizer Unternehmungen
und erbringt den Nachweis über die Durchführung und den
Umfang der Offset-Geschäfte.
Das operative Controlling erfolgt durch das neue
Offsetbüro unter Leitung der armasuisse.
Offset-Büro
Die armasuisse betreibt seit Anfangs 2010 zusammen
mit der Swissmem (Dachverband der Maschinenindustrie)
und der GRPM (Vereinigung Westschweizer
Rüstungsmaterial-Hersteller) ein Industriebeteiligungs-
oder Offsetbüro als erstes PPP-Projekt (Public Privat
Partnership) des Verteidigungs-Departementes. Die Kosten
tragen die von der Industriebeteiligung profitierenden
Unternehmungen mit der Abgabe von 0.1 Prozent des
Offsetwertes.
Aufgabe des Offsetbüros ist einerseits das
Controlling, die Überprüfung der vertragsgemässen
Abwicklung der Offset- oder Kompensationsgeschäfte sowie
die Verbesserung der Transparenz zuhanden der
Öffentlichkeit. Das Büro hat zusätzlich einen
Unterstützungsauf-trag für die Schweizer Industrie, bei
den administrativen Abläufen und den
sicherheitspolitischen und rüstungspolitischen Vorgaben
sowie durch Promotionstätigkeit und Anbahnung von
Industriekontakten.
Beispiele Offset-Geschäfte zu den
Rüstungsprogrammen (RP) der Jahre 1992 bis 2000
| 34
Kampfflugzeuge F/A-18 (RP 92): |
Beschaffungskosten 3'405 Mio
Direkte Offsets 300 Mio, indirekte Offsets 2
Mrd.
|
|
FLORAKO (RP 98 & RP 99): |
Beschaffungskosten 728 Mio
Direkte Offsets 200 Mio, indirekte Offsets 500
Mio.
|
| 12
Transporthelikopter Super-Puma (RP 98):
|
Beschaffungskosten 320 Mio
Direkte Offsets 10 Mio, indirekte Offsets 260
Mio
|
|
186 Schützenpanzer 2000 (RP 2000): |
Beschaffungskosten 990 Mio
Direkte Offsets 360 Mio, indirekte Offsets 450
Mio.
|
Offset-Geschäfte der Rüstungsprogramme 2000
bis 2010
Im Rahmen der RP 2000 bis 2010 wurden durch die
armasuisse rund 20 Offset-Verträge mit einem
Offsetvolumen von 3,3 Mrd. abgeschlossen. Im Februar
2010 betrug der Stand der Erfüllung 2 Mrd. Die aus
diesen Offsetverträgen noch offenen Offsetvolumen von
1,3 Mrd werden vertragsgemäss in den kommenden Jahren
erfüllt.
Quelle: Armasuisse

Quelle:
www.ar.admin.ch/internet/armasuisse/de/home/themen/beschaffung/rustungspolitik.html
Kompensationsgeschäfte zum TTE –
volkswirtschaftliche Auswirkungen
"Die Kampfflugzeugbeschaffung (TTE) für 2,2
Milliarden Franken verpflichtet den ausländischen
Lieferanten, ein Schweizer Industriebeteiligungsprogramm
(Kompensationsgeschäfte / Offsetgeschäfte) im Umfang von
2,2 Milliarden Franken zu realisieren… Hunderte von
Schweizer Unternehmen können an solchen
Industriebeteiligungsprogrammen partizipieren – darunter
viele KMU – insbesondere aus der Luftfahrtindustrie, der
Elektro-, Elektronik- und Maschinenindustrie… Der
Wirtschaftsverband Swissmem und der Westschweizer
Industrieverband GRPM mit über 1000 Mitgliedfirmen
unterstützen diese Programme als Vertreter der Schweizer
Industrie aktiv und in Zusammenarbeit mit der armasuisse.
Ein Offsetprogramm von über 2 Milliarden Franken
generiert Arbeit für 2500 Arbeitsplätze während mehreren
Jahren. Die Beschaffung der Kampfflugzeuge… ist damit
nicht nur sicherheits-politisch, sondern auch
wirtschaftspolitisch von grosser Bedeutung."
Quelle: armasuisse

|