Der alte Tiger
Nach mehr als 30 Jahren im
Einsatz bei der Schweizer Luftwaffe ist die Flotte der
F-5 Tiger am Ende einer sinnvollen Verwendung und muss
abgelöst werden (Tiger-Teil-Ersatz TTE). Das Flugzeug
als Waffen-Plattform ist technologisch veraltet und
genügt den Anforderungen der Wahrung der nationalen
Lufthoheit nicht mehr. Zudem steigen die Betriebskosten.
Ausgangslage
Die amerikanische Firma Northrop entwickelte in den
1950er-Jahren die F-5 als leichtes Kampfflugzeug. Der
Erstflug der ursprünglichen Variante F-5A/B Freedom
Fighter fand 1959 statt. Später wurde die F-5E/F Tiger
II entwickelt, die ihren Erstflug 1972 absolvierte und
bis 1987 in 1400 Einheiten produziert wurde. Die
Eidgenossenschaft hat insgesamt 110 F-5E/F
Kampfflugzeuge, 98 Einsitzer und 12 Doppelsitzer, in
zwei Tranchen beschafft. Ab 1978 standen die ersten
Maschinen im Einsatz der Schweizer Luftwaffe. Zum
Zeitpunkt der Beschaffung wurde das Einsatzende für das
Jahr 2010 vorgesehen. Die Logistik und die
Instandhaltung wurden entsprechend auf die Lebensdauer
von 30 Jahren ausgelegt. Die Flugzeuge wurden für den
Raumschutz beschafft. Diese Bezeichnung wird aktuell
nicht mehr verwendet, der Auftrag der Schweizer
Tiger-Flotte ist aber geblieben: Der Schutz des
Luftraums über der Schweiz. Heute stehen in der
Schweizer Luftwaffe noch 54 F-5 im Einsatz. Die
Schweizer Tiger können mit zwei Infrarotlenkwaffen vom
Typ AIM-9P Sidewinder ausgerüstet werden. Die Einsitzer
verfügen über zwei, die Doppelsitzer über eine
20-Millimeter-Kanone. Im Vergleich zu modernen
Kampfflugzeugen fehlen dem Tiger wesentliche
Fähigkeiten, wie z.B. Nachtflug, Allwetterfähigkeit, die
Fähigkeit des Radars tiefer fliegende Objekte zu
erfassen, Ausrüstung mit Radarlenkwaffen, usw. Diese
fehlenden Fähigkeiten erlauben den Einsatz der Tiger als
Kampfflugzeug nur noch bedingt für den Luftpolizeidienst
und nicht mehr für die Wahrung der Lufthoheit oder die
Luftverteidigung in einem modernen Bedrohungs-Umfeld.
Kampfflugzeuge heutiger Generation haben die Fähigkeit,
den Luftkampf «beyond visual range» zu führen – also
ausserhalb der Sichtdistanz des Piloten.
Was der Tiger nicht kann
Als die F-5 in den 1950er-Jahren - zur Zeit des
Koreakrieges - entwickelt wurde, fand der Luftkampf wie
im Zweiten Weltkrieg statt – nur mit schnelleren
Flugzeugen. Er wurde meist bei Sichtflugwetter im engen
Kurvenkampf geführt. Die F-5 verfügt über ein Radar -
Die Wirkungsdistanz bleibt aber durch die Reichweite der
vorhandenen Waffen begrenzt. Am weitesten reichen die
Lenkwaffen vom Typ AIM-9P. Auch diese können aber nur
auf Sicht und auf eine Distanz von wenigen Kilometern
eingesetzt werden. Die Piloten moderner Kampfflugzeuge
können ihre Waffen mittels Radar-Erkennung auf einen
Gegner ansetzen – ein Tiger-Pilot kann also abgeschossen
werden ohne einen Gegner zu Gesicht zu bekommen. 2 Zudem
ist es mit der veralteten Avionik der F-5 nicht möglich,
bei schlechtem Wetter und nachts Einsätze zu fliegen.
Das Flugzeug kann unter solchen Bedingungen zwar
fliegen, aber keinen Luftkampf führen. Auch bezüglich
der Flugleistungen, Steigflug und Fluggeschwindigkeiten,
ist die F-5 hoffnungslos benachteiligt. Die Tiger
verfügen auch nicht über die Ausrüstung für die
Betankung in der Luft, sowie für den elektronischen
Datenaustausch zwischen den Flugzeugen und mit der
Einsatzzentrale am Boden. Demgegenüber ist, bedingt
durch die für den Piloten weniger komplexe Bedienung des
Waffensystems, der Trainingsaufwand geringer; der Tiger
ist heute das letzte Kampfflugzeug der Schweizer Armee,
welches für Milizpiloten geeignet ist.
Einsatz der Tiger heute
Aktuell werden die Tiger hauptsächlich von Milizpiloten
geflogen. Die Milizstaffeln unterstützen die
Berufsformationen, wenn die 33 F/A-18 nicht genügen.
Dies ist vor allem dann der Fall, wenn eine erhöhte
Bereitschaft und eine permanente Überwachung mit
Interventionsmöglichkeit über einem Teil des Schweiz
gefordert wird – beispielsweise während des World
Economic Forum (WEF) in Davos oder dem
Frankofonie-Gipfel in Montreux. Die Tiger übernehmen
während dieser Zeit einen, auf den Sichtflug
beschränkten, Luftpolizeidienst im übrigen Schweizer
Luftraum. Zudem kommen die Tiger noch in verschiedenen
anderen Funktionen zum Einsatz, vorwiegend im Bereich
der Ausbildung und des Trainings. So sind die
Miliz-Tigerpiloten die Sparringpartner der Hornet-Piloten
bei deren Luftkampftraining und bei Abfangübungen. Die
F-5 dienen auch als FLAB-Ziele bei der Ausbildung der
Fliegerabwehr. Und sie schleppen die Ziele für das
Luft-Luft-Schiessen mit den Bordkanonen der F/A-18.
Ausgerüstet mit einem speziellen Elektronik-Behälter
dienen die Tiger auch der Ausbildung in der
elektronischen Kriegsführung. Das prominenteste
Einsatzfeld der F-5 ist die Patrouille Suisse, deren
Tiger - als Ausnahme - von hauptberuflichen FA-18
Piloten geflogen werden. 3
Weitere Verwendungen
Wegen
der Konzipierung des F-5 Tiger als leichtes,
kostengünstiges Kampfflugzeug kann die Tigerflotte nicht
in der Einsatz-Rolle Luft – Boden als Kampfbomber
weiterverwendet werden, wie bisher in der Schweizer
Luftwaffe praktiziert, letztmals zum Beispiel mit der
Hunter-Flotte. Aufgrund des technisch-materiell guten
Zustandes unserer Tiger – eine hervorragende Leistung
durch die Wartung bei der Luftwaffe und den Unterhalt
durch die Schweizer Flugzeugindustrie – sowie wegen
deren geringe Flugstundenzahl konnte die Schweiz in den
letzten Jahren Tiger für Einsätze in anderen Luftwaffen
abgeben: Die Luftwaffe von Österreich hat für die
Überbrückung der Zeit zwischen der Ausserdienststellung
der Saab Draken und der Einführung der Eurofighter und
um die Luftraumüberwachung sicherstellen zu können,
während 4 Jahren von der Schweiz 12 F-5E Tiger gemietet.
Der befristete Mietvertrag umfasste auch den
Logistik-Support, die Umschulung der österreichischen
Piloten und die Ausbildung des Bodenpersonals. Die
US-Luftwaffe benötigt für die Auffüllung der Bestände
der 'Aggressor-Staffeln', die der Schulung im Luftkampf
als Sparringpartner und zur Feinddarstellung dienen, F-5
Tiger, u.a. wegen seiner sehr kleinen Radarsilhouette.
Zu diesem Zweck hat sie in den letzten Jahren von der
Schweiz 44 Tiger zurück gekauft. Sie ersetzen
Tiger-Flugzeuge, die das technische Lebensende erreicht
haben. (Quelle: Schweizer Luftwaffe)
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